Hashimoto-Thyreoiditis ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der sich das Immunsystem gegen Bestandteile der eigenen Schilddrüse richtet. Dadurch kann es zu einer Entzündung und im Laufe der Zeit zu Veränderungen des Schilddrüsengewebes kommen.
Die Schilddrüse ist zwar ein kleines Organ, erfüllt aber wichtige Aufgaben. Ihre Hormone beeinflussen unter anderem Stoffwechsel, Energiehaushalt, Herz-Kreislauf-System, Verdauung und Wärmehaushalt.
Wird durch Hashimoto zunehmend Schilddrüsengewebe geschädigt, kann die Schilddrüse irgendwann nicht mehr ausreichend Hormone produzieren. Es kann sich eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) entwickeln.
Hashimoto kann sich sehr unterschiedlich zeigen
Nicht jeder Mensch mit Hashimoto hat dieselben Beschwerden. Manche bemerken zunächst kaum Veränderungen, während andere beispielsweise unter Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsproblemen, Kälteempfindlichkeit, trockener Haut, Verstopfung oder Gewichtsveränderungen leiden können.
Diese Beschwerden sind allerdings nicht spezifisch für Hashimoto und können zahlreiche andere Ursachen haben. Ob tatsächlich eine Schilddrüsenerkrankung vorliegt, sollte deshalb medizinisch abgeklärt werden.
Was passiert bei Hashimoto im Körper?
Bei Hashimoto erkennt das Immunsystem bestimmte Bestandteile der Schilddrüse fälschlicherweise als Ziel einer Immunreaktion. Dabei können unter anderem Antikörper gegen Schilddrüsenbestandteile nachweisbar sein und Entzündungsprozesse im Schilddrüsengewebe auftreten.
Im Laufe der Erkrankung kann funktionsfähiges Schilddrüsengewebe beeinträchtigt werden. Dadurch kann die Schilddrüse zunehmend Schwierigkeiten bekommen, ausreichend Schilddrüsenhormone zu produzieren.
Warum sind Schilddrüsenhormone so wichtig?
Die Schilddrüse bildet hauptsächlich die Hormone T4 (Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin). Sie wirken auf zahlreiche Vorgänge im Körper und spielen unter anderem eine Rolle bei:
Energie und Stoffwechsel · Körpertemperatur · Herz-Kreislauf-Funktion · Verdauung · Muskeln und Nervensystem
Deshalb können sich Veränderungen der Schilddrüsenfunktion an ganz unterschiedlichen Stellen des Körpers bemerkbar machen.
Hashimoto bedeutet nicht automatisch sofort Unterfunktion
Gerade zu Beginn kann die Schilddrüse ihre Funktion noch weitgehend aufrechterhalten. Im weiteren Verlauf kann sich jedoch eine Schilddrüsenunterfunktion entwickeln. Deshalb werden zur Beurteilung unter anderem Schilddrüsenwerte im Blut und – je nach Situation – weitere Untersuchungen herangezogen.
Wie wird Hashimoto festgestellt?
Da viele Beschwerden auch andere Ursachen haben können, lässt sich Hashimoto nicht allein anhand von Symptomen feststellen. Für die Diagnose betrachtet die Ärztin oder der Arzt verschiedene Informationen gemeinsam.
Blutwerte
Zu den häufig untersuchten Schilddrüsenwerten gehören:
TSH – ein Steuerhormon, das die Schilddrüse zur Hormonproduktion anregt.
fT4 – die freie Form von Thyroxin und ein wichtiger Wert zur Beurteilung der Schilddrüsenfunktion.
fT3 – die freie Form von Trijodthyronin, dem biologisch besonders aktiven Schilddrüsenhormon.
Schilddrüsenantikörper
Bei Verdacht auf Hashimoto können außerdem bestimmte Antikörper untersucht werden. Besonders relevant sind TPO-Antikörper (TPO-AK) und teilweise Thyreoglobulin-Antikörper (Tg-AK).
Erhöhte Antikörper können einen Hinweis auf eine autoimmune Schilddrüsenerkrankung geben. Ein einzelner Laborwert sollte jedoch nicht isoliert betrachtet werden.
Ultraschall der Schilddrüse
Auch eine Ultraschalluntersuchung kann zur Abklärung gehören. Dabei können unter anderem Größe und Struktur der Schilddrüse beurteilt werden.
Wie wird Hashimoto behandelt?
Hashimoto selbst lässt sich derzeit nicht ursächlich heilen. Entwickelt sich jedoch eine Schilddrüsenunterfunktion, kann der dadurch entstehende Mangel an Schilddrüsenhormonen behandelt werden.
Schilddrüsenhormone ersetzen
Häufig wird dafür Levothyroxin (L-Thyroxin) eingesetzt. Es entspricht dem Schilddrüsenhormon T4 und soll dem Körper die Menge an Schilddrüsenhormon zur Verfügung stellen, die die Schilddrüse nicht mehr ausreichend selbst produzieren kann.
Welche Dosierung benötigt wird, ist individuell unterschiedlich. Sie wird ärztlich festgelegt und kann unter anderem von den Schilddrüsenwerten, Beschwerden, Alter, Körpergewicht und weiteren gesundheitlichen Faktoren abhängen.
Regelmäßige Kontrollen gehören dazu
Nach Beginn einer Behandlung oder einer Veränderung der Dosierung werden die Schilddrüsenwerte in der Regel erneut kontrolliert. So kann beurteilt werden, ob die Einstellung angepasst werden muss.
Auch bei einer gut eingestellten Behandlung sind regelmäßige Verlaufskontrollen sinnvoll, da sich der benötigte Hormonbedarf im Laufe des Lebens verändern kann.
Die richtige Einnahme ist wichtig
Levothyroxin sollte möglichst konsequent nach den ärztlichen beziehungsweise pharmazeutischen Einnahmehinweisen eingenommen werden. Nahrung sowie bestimmte Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel können die Aufnahme beeinflussen.
Gerade Calcium- und Eisenpräparate können beispielsweise relevant sein. Deshalb sollten Einnahmeabstände und mögliche Wechselwirkungen mit Arzt oder Apotheke geklärt werden.
Hashimoto im Alltag – was kann das Wohlbefinden unterstützen?
Eine gut eingestellte Schilddrüsenfunktion bildet eine wichtige Grundlage. Darüber hinaus können verschiedene Bereiche des Alltags dazu beitragen, das allgemeine Wohlbefinden zu unterstützen.
Dazu gehören vor allem eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und ein bewusster Umgang mit Stress. Diese Maßnahmen ersetzen keine medizinische Behandlung, können aber dabei helfen, einen gesundheitsbewussten Alltag zu gestalten.
Dabei gibt es nicht den einen Lebensstil, der für alle Menschen mit Hashimoto gleichermaßen geeignet ist. Was guttut und im Alltag umsetzbar ist, kann individuell sehr unterschiedlich sein.
Ernährung bei Hashimoto
Eine spezielle „Hashimoto-Diät“, die die Erkrankung heilen kann, gibt es nicht. Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung kann jedoch dazu beitragen, den Körper mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen.
Welche Nährstoffe sind bei Hashimoto besonders interessant?
Eine ausgewogene Ernährung versorgt den Körper mit vielen Nährstoffen, die auch für eine normale Funktion der Schilddrüse wichtig sind. Bei Hashimoto werden insbesondere Jod, Selen und Eisen häufig thematisiert. Auch eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D ist für die allgemeine Gesundheit wichtig.
Jod – wichtig, aber nicht einfach „mehr ist besser“
Jod wird benötigt, damit die Schilddrüse ihre Hormone bilden kann. Deshalb gehört eine ausreichende Jodversorgung grundsätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung.
Eine normale Jodzufuhr über Lebensmittel sollte deshalb nicht automatisch vermieden werden. Ob zusätzliches Jod sinnvoll ist, sollte individuell ärztlich abgeklärt werden.
Selen
Selen ist ein Spurenelement und an verschiedenen Vorgängen im Schilddrüsenstoffwechsel beteiligt. Es kommt beispielsweise in Fisch, Eiern, Fleisch, Nüssen und einigen Getreideprodukten vor.
Eisen
Auch Eisen spielt für den Körper und die Schilddrüsenfunktion eine wichtige Rolle. Ein Eisenmangel kann unter anderem mit Müdigkeit und Erschöpfung einhergehen – Beschwerden, die auch bei einer Schilddrüsenunterfunktion auftreten können.
Vitamin D bei Hashimoto
Vitamin D erfüllt zahlreiche Aufgaben im Körper und spielt unter anderem eine Rolle für Knochen, Muskeln und die normale Funktion des Immunsystems.
Ein Vitamin-D-Mangel kann grundsätzlich bei vielen Menschen vorkommen und ist nicht automatisch eine Folge von Hashimoto. Ob ein Mangel besteht, lässt sich durch eine entsprechende Blutuntersuchung feststellen.
Nahrungsergänzung nicht einfach auf Verdacht
Wurde tatsächlich ein Mangel festgestellt, kann gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt entschieden werden, ob und in welcher Dosierung eine Ergänzung sinnvoll ist.
Ernährung, Sonne und Vitamin D
Der Körper kann Vitamin D mithilfe von Sonnenlicht über die Haut selbst bilden. Einen kleineren Teil nehmen wir über Lebensmittel auf. Vitamin D findet sich beispielsweise in fettreichem Fisch, Eigelb und einigen Pilzen.
Wie viel Vitamin D über die Sonne gebildet wird, hängt allerdings von verschiedenen Faktoren ab – unter anderem von Jahreszeit, Aufenthaltsdauer im Freien, Hauttyp und Alter.
Hashimoto und Zöliakie – gibt es einen Zusammenhang?
Hashimoto-Thyreoiditis und Zöliakie sind Autoimmunerkrankungen. Bei Menschen mit einer autoimmunen Schilddrüsenerkrankung kommt Zöliakie häufiger vor als in der Allgemeinbevölkerung. Umgekehrt treten auch bei Menschen mit Zöliakie häufiger autoimmune Schilddrüsenerkrankungen auf.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Mensch mit Hashimoto automatisch Zöliakie hat oder entwickeln wird.
Wann kann eine Abklärung sinnvoll sein?
Muss man bei Hashimoto glutenfrei essen?
Nein, nicht grundsätzlich. Eine glutenfreie Ernährung gehört nicht automatisch zur Behandlung von Hashimoto.
Wurde jedoch zusätzlich eine Zöliakie diagnostiziert, ist eine konsequent glutenfreie Ernährung notwendig. Dann wird Gluten aufgrund der Zöliakie gemieden – nicht allein aufgrund von Hashimoto.
Bewegung bei Hashimoto
Regelmäßige Bewegung kann das allgemeine Wohlbefinden, die körperliche Fitness und die Gesundheit unterstützen. Dabei muss es nicht immer intensiver Sport sein.
Spaziergänge, Radfahren, Schwimmen, leichtes Krafttraining oder andere Bewegungsformen können je nach persönlicher Situation eine gute Möglichkeit sein, mehr Aktivität in den Alltag zu bringen.
Gerade bei starker Müdigkeit oder Erschöpfung kann es sinnvoll sein, langsam zu beginnen und die Belastung an das eigene Befinden anzupassen. Bewegung soll unterstützen und nicht zusätzlich überfordern.
Schlaf und Erholung bei Hashimoto
Ausreichender und erholsamer Schlaf ist für die körperliche und mentale Gesundheit wichtig. Gerade Menschen mit Hashimoto beziehungsweise einer Schilddrüsenunterfunktion können zeitweise unter Müdigkeit und Erschöpfung leiden.
Ein möglichst regelmäßiger Schlafrhythmus kann dabei helfen, dem Körper feste Ruhezeiten zu geben. Hilfreich können beispielsweise ähnliche Schlafenszeiten, eine ruhige Schlafumgebung und entspannende Abendroutinen sein.
Auch bewusste Erholung im Alltag gehört dazu. Kleine Pausen, Zeit an der frischen Luft oder ruhige Aktivitäten können helfen, die eigenen Energiereserven nicht ständig zu überfordern.
Anhaltende oder ungewöhnlich starke Müdigkeit sollte allerdings nicht automatisch auf Hashimoto zurückgeführt werden. Auch andere Ursachen können dahinterstecken und sollten gegebenenfalls medizinisch abgeklärt werden.
Stress und Hashimoto
Stress gehört zum Leben und lässt sich nicht vollständig vermeiden. Anhaltender Stress kann jedoch das allgemeine Wohlbefinden beeinträchtigen und beispielsweise Schlaf, Erholung und das persönliche Energiegefühl beeinflussen.
Hashimoto wird nicht einfach durch Stress verursacht. Dennoch kann es hilfreich sein, im Alltag bewusst auf Erholungsphasen und einen guten Umgang mit Belastungen zu achten.
Kleine Auszeiten können helfen
Entspannung muss nicht kompliziert sein. Schon kleine Dinge können dabei helfen, zwischendurch zur Ruhe zu kommen:
Spaziergänge und Zeit in der Natur,
bewusste Pausen im Alltag,
Atem- oder Entspannungsübungen,
Yoga oder sanfte Bewegung,
Musik, Lesen oder ein ruhiges Hobby,
Zeit mit Menschen, die guttun
Entscheidend ist nicht, eine perfekte Anti-Stress-Routine einzuhalten. Vielmehr geht es darum, herauszufinden, was persönlich entspannt und sich realistisch in den eigenen Alltag integrieren lässt.
Leben mit Hashimoto – den eigenen Weg finden
Hashimoto begleitet viele Betroffene langfristig. Mit einer passenden medizinischen Behandlung, regelmäßigen Kontrollen und einem bewussten Umgang mit der eigenen Gesundheit lässt sich die Erkrankung jedoch häufig gut in den Alltag integrieren.
Dabei gibt es nicht den einen perfekten Weg. Ernährung, Bewegung, Schlaf, Erholung und der Umgang mit Stress können das allgemeine Wohlbefinden unterstützen – entscheidend ist, was zur eigenen Lebenssituation und zum persönlichen Befinden passt.
Es kann hilfreich sein, Veränderungen des eigenen Körpers wahrzunehmen und Beschwerden nicht vorschnell ausschließlich Hashimoto zuzuschreiben. Neue, ungewöhnliche oder anhaltende Beschwerden sollten medizinisch abgeklärt werden.
Schritt für Schritt statt perfekt
Ein Leben mit einer chronischen Erkrankung bedeutet nicht, jeden Tag alles richtig machen zu müssen. Kleine, realistische Veränderungen können langfristig oft leichter in den Alltag integriert werden.
Gut informiert zu sein, den eigenen Körper kennenzulernen und gemeinsam mit medizinischen Fachpersonen die passende Behandlung zu finden, kann dabei helfen, den persönlichen Umgang mit Hashimoto zu entwickeln.